Der Historische Salon

Der Historische Salon steht in der Tradition der musisch-literarischen Salons, die seit dem 16.Jahrhundert in ganz Europa entstanden und im 18. Jahrhundert ihre Blütezeit erlebten. Sie wurden zumeist von gebildeten Frauen unterschiedlicher Stände geführt, die sich durch Belesenheit, musikalisches Talent, Literaturverständnis und Politikinteresse auszeichneten und als "Salonnières" zu gesellschaftlichen Zusammenkünften in ihr Haus luden. Zu Gast waren Poeten, bildende Künstler, Musiker, Romanciers, Forscher, verdiente Mitglieder des Militärs und gesellschaftliche Vordenker. 
Anlässlich eines Salon-Abends trugen Komponisten ihre neuesten Werke vor, Sänger brillierten mit ihrem Können, Literaten trugen Auszüge ihrer Werke vor; man rang um Lösungsansätze für wichtige politische Entscheidungen und gesellschaftliche Bewegungen.

2026 eröffnete Astrid Mathyshek im Augustin-Wagner-Geburtshaus in Reichenbach am malerischen Fluss "Regen" den Historischen Salon. Wie annodazumal finden hier kleine musikalische Soiréen, Dichtertreffen und Vorträge in der Idylle einer historischen Landschaft statt, die Größen wie  Albrecht Altdorfer, Barbara Blomberg, Don Juan de Austria, Amalie von Lerchenfeld, Christoph Willibald Gluck, Max Reger, Pater Emmeram, Augustin Wagner und zahlreiche weitere hervorbrachte.

Amalie von Lerchenfeld (Gemälde von Stieler)

In Erinnerung an die bayerische Partnerschaft der vertriebenen Ostpreußen, welche 1976 unter Ministerpräsident Goppel vom Freistaat übernommen wurde, findet seit 2026 das Kornblumenfest am 19. Juli statt. Es ist gleichsam eine Reminiszenz an die deutschen Blumentage, die zu wohltätigen Zwecken veranstaltet wurden und ihre Hoch-Zeit in der Wilhelminischen Epoche, des Kaiserreiches hatten. es wurden von barmherzigen Frauen kunstvoll gefertigte Blüten verkauft, die dem jeweiligen Tag seinen Namen gaben, z.B. gehäkelte Margeriten an Margeritentagen. Der Erlös kam Spitälern, Militärlazaretten, Armen- und Waisenhäusern zugute.

Die Kornblume erinnert an die Flucht Königin Luises mit ihren Kindern vor Napoleons Truppen nach Memel in Ostpreußen, wie die junge Mutter auf dem Weg die Kutsche anhalten ließ, um für ihre Kinder auf dem Feld Kornblumen zu pflücken und ihnen Kränze zu winden, um sie von der Anspannung zu zerstreuen. Ihr Sohn Wilhelm, der spätere deutsche Kaiser, erinnerte sich bis ins hohe Alter an diesen Liebesbeweis seiner Mutter, die auf der Flucht so geschwächt wurde, dass sie mit nur 34 Jahren verstarb. Als Kaiser brachte er ihr jedes Jahr zu ihrem Todestag, dem 19. Juli, einen Strauß Kornblumen ans Grab. So gewann ihre Farbe auch die Bezeichnung "Preußischblau". Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Kornblume zu einem Symbol auch der ostpreußischen Vertriebenen und darf durch die bayerische Partnerschaft endlich auch zu einem Symbol der Völkerfreundschaft und der Barmherzigkeit sein. Selbst im russisch besetzten Teil Ostpreußens feiert eine Frauen-Bewegung jedes Jahr im Gedenken an die deutsche Königin Luise das Kornblumenfest!

"Königin Luise bekränzt auf der Flucht nach Memel den Prinzen Wilhelm mit Kornblumen."
(Zeitgenössischer Zeitungsschnitt)


Bilder: wikimedia commons

Kommentare