Ein Sängerleben ganz privat?

Ganz privat ist man eigentlich nie als darstellender Künstler, obwohl ich persönlich nie damit gerechnet habe, dass das in der heutigen Zeit auch für klassische Musiker gilt, denn wir und unsere Kunstrichtung sind zu einer Nische geworden. Es ist längst nicht mehr üblich, dass Primadonnen à la Carlotta (Phantom der Oper) hofiert werden von Theaterdirektoren und belagert von Fans, die stundenlang in der Kälte vor dem Opernhaus ausharren, um einen Blick auf die angebetete Diva werfen oder ihr gar eine Rose überreichen zu dürfen. Aber, was die Wenigsten wissen, auch eine Nische bietet leider Platz für Stalker jedweder Couleur.

Ich selbst werde seit gut 3 Jahren von meiner Nachbarin gestalkt. Massiv. Jeden Tag. Da ich als freischaffende Sängerin keine immer gleichen Probenzeiten habe tagein, tagaus, sondern meine Proben projektgebunden zu unterschiedlichen Stoßzeiten und auch zu unterschiedlichen Tageszeiten stattfinden, weiß niemand außer mir selbst, wann ich heute, morgen, übermorgen das Haus verlassen muss, ob meine Proben im eigenen Musiksalon stattfinden oder ich auswärts Termine habe.

Trotzdem tritt meine Nachbarin jeden Tag immer exakt in der Sekunde aus dem Haus, indem auch ich hinaus gehe. Wenn ich die Post hole um 11 Uhr Vormittags - steht sie in der Sekunde auf der Matte. Gehe ich in der Mittagspause zur Abwechslung in die Sonne, kommt sie im gleichen Moment hinaus und geht mir nach. Gehe ich wieder hinein, geht sie außen an mein Fenster und schaut in meinen Probenraum, verfolgt, wenn ich in die Küche gehe und geht mir nach, verfolgt, wenn ich zurück in den Salon gehe und geht mir nach. Wenn ich zufällig abends merke, dass ich noch Holz holen muss, weil grad keines mehr da ist, und hinaus gehe an den Schuppen, kommt sie sofort heraus und holt ebenfalls Holz. Ich stellte einen Rosenbogen auf - eine Woche später sie auch. Ich schneide die Büsche zu, sie tut dasselbe. Inzwischen ist es zu einer Besessenheit für diese Frau geworden. Jeden Tag. Zu unterschiedlichsten Zeiten. Damit lebe ich seit 2022, dem Jahr in dem ich hierher gezogen bin. Die Auskunft zweier Sicherheitsfirmen lautet: die Nachbarin muss Überwachungssoftware in meiner Wohnung installiert haben, sonst kann sie die zufälligen Zeiten meines Hinausgehens ja nicht wissen, da sie unregelmäßig und jeden Tag anders sind.

Die Polizei der zuständigen Dienststelle sieht keinen Handlungsbedarf.

Der Ehemann der Frau klemmt Beleidigungen an die Windschutzscheibe, anwaltliche Unterstützung hilft nichts. Zwischendurch pöbelt er vor meiner Haustüre oder schreibt Briefe, in denen er mich auffordert, die Bäume auf dem Grundstück meines Hauses zu roden oder was ihm gerade einfällt. Seine Frau meldet sich per Mail in ähnlicher Weise. 

Die Polizei der zuständigen Dienststelle sieht keinen Handlungsbedarf.

Bereits seit 2021 wird meine Post regelmäßig abgefangen, kommt gar nicht oder geöffnet an - auch und gerade die Post von Geschäftspartnern, die z.B. einen Stick beigelegt haben, der entwendet war - seitlich war der Brief feinsäuberlich aufgeschlitzt. Auch behördliche Schreiben erreichen mich nicht immer. Wer dahinter steckt ist nicht zu ermitteln.

Einmal jedoch kam ein Amazon-Paket falsch an und lag vor der Nachbarin Haustüre, statt vor meiner - es war groß  sichtbar an mich adressiert. Ich wartete, dass sie es mir gebe - sie hat es behalten. Unterschlagung.

Inzwischen wurde bei mir 4x eingebrochen und 3x die Autoreifen aufgestochen. Bei einem Einbruch waren Möbel zerstört, Vorhangstangen heruntergerissen, nichts gestohlen, aber dafür etwas hinterlassen: ein Päckchen Grüntee, den ich nicht gekauft habe, da er von einem speziellen in der nächsten Stadt ansässigen Laden war, in dem ich noch nie Tee gekauft habe. Gleichzeitig war eine Paketsendung von der Apotheke geöffnet, zwei Fläschchen entwendet und dafür mit spitzen Nadeln aufgefüllt.

Ob all diese Ereignisse in direktem Zusammenhang stehen - ob es sich nur um eine stalkende Partei oder gar um mehrere handelt, müssten Ermittler feststellen, aber...

...die Polizei der zuständigen Dienststelle sieht keinen Handlungsbedarf.


Kommentare